s Architektur Narration Aktion

ANA


ANA (Architektur Narration Aktion) ist ein Zusammenschluss von Architekt*innen, Forscher*innen und Autor*innen. Mit narrativen Strategien versucht ANA engagiert, phantasievoll und aktivistisch die Wahrnehmung und Bedeutung – und damit die Zukunft von Gebäuden und Orten – aktiv zu beeinflussen. ANA setzt sich dabei für eine heterogene und pluralistische Stadt ein.



Ruben Bernegger (*1989) studierte von 2010 bis 2018 Architektur an der ETH Zürich. 2017–18 war er Co-Redakteur beim trans Magazin. 2018-2019 arbeitete er gemeinsam mit Tobias Fink und Lukas Fink an der Publikation »Berliner Portraits – Erzählungen zur Architektur der Stadt« (2019, Walther König). Aktuell ist er bei Christian Salewski & Simon Kretz Architekten in Zürich angestellt.


Jan Engelke (*1989) studierte von 2010 bis 2017 an der ETH Zürich und von 2012 bis 2013 an der Bauhaus Universität Weimar Architektur. In seiner freien Diplomarbeit »Die Schönheit des Katasterplans« verschob er 2017 gemeinsam mit Lukas Fink den Katasterplan der Stadt Zürich. Daraufhin arbeitete er in Berlin an Publikationen, Architektur- und Ausstellungsprojekten. Seit 2019 doktoriert er an der TU München bei Prof. Benedikt Boucsein zum Eigenheim in der westdeutschen Nachkriegsgeschichte. Jan Engelke ist Stipendiat der Gerda-Henkel-Stiftung und assoziierter Kollegiat des DFG-Graduiertenkollegs 2227 „Identität und Erbe“.

Lukas Fink (*1989) studierte von 2010 bis 2017 Architektur und Städtebau an der ETH Zürich. In seiner mehrfach ausgezeichneten freien Diplomarbeit »Die Schönheit des Katasterplans« verschob er 2016 gemeinsam mit Jan Engelke den Katasterplan der Stadt Zürich. Anschließend arbeitete er in Berlin als selbstständiger Architekt, gemeinsam mit Tobias Fink und Ruben Bernegger an der Publikation »Berliner Portraits – Erzählungen zur Architektur der Stadt« (2019, Walther König), sowie bei Xaveer De Geyter Architeken (xdga) in Brüssel. Aktuell unterrichtet Lukas als Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Architektur und Urbane Transformation an der ETH Zürich.


Tobias Fink (*1992) studierte Architektur an der TU Graz, der RWTH Aachen und der TU München und sammelte in verschiedenen Berliner Architekturbüros Praxiserfahrungen. 2018 arbeitete er, gemeinsam mit Lukas Fink und Ruben Bernegger, an der Publikation »Berliner Portraits – Erzählungen zur Architektur der Stadt« (2019, Walther König). Außerdem ist er als freischaffender Fotograf tätig. Er lebt und arbeitet in München.


Dorothee Hahn (*1990) studierte Architektur an der TU Berlin und an der ETH Zürich. 2017–18 war sie Co-Redakteurin beim trans Magazin und schreibt seit 2019 als freie Autorin für Baunetz und Hochparterre. Sie war im Rahmen des Sto-Stipendienprogramms in der Redaktion von ARCH+ tätig, wo sie zuletzt die Ausstellung 1989–2019: Politik des Raums im Neuen Berlin im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) mitkuratierte. Aktuell ist sie Teil der kollaborativen Praxis Brandlhuber+.


Micha Ringger (*1990) studierte von 2010-2018 Architektur an der ETH Zürich und 2013 an der CEPT Ahmedabad in Indien. Neben diversen Praktikas arbeitete er von 2016-2017 bei Sauter von Moos und mit Pierre de Meuron am Projekt „Villa Hammer“. Seit seinem Diplom bei Tom Emerson entwickelt er selbständig und in Kooperationen Projekte, Wettbewerbe und fotografische Arbeiten in Basel. Aktuell arbeitet er bei Weyell Zipse und Hörner am Schulhaus Guggach in Zürich.





Behelfsheim
Enver Hirsch und Philipp Meuser (Hrsg.); Selbstverlag; Webseite; 2020; mit dem DAM Architectural Book Award ausgezeichnet; Text von Jan Engelke (ANA) „Vom Behelf zum Heim. Über die Gestaltung einer stets unfertigen Zeit"

Behelfsheime wurden in den 40er-Jahren errichtet, um der durch Zerstörungen des Krieges hervorgerufenen Wohnungsnot zu begegnen. Als provisorische „Behelfe“ geplant, sind sie längst zu „Heimen“ geworden – durch fortwährende An- und Umbauten, die ihre Bewohner*innen im Laufe der Zeit an ihnen vorgenommen haben. Viele dieser Bauten, die nicht nur von ihrer Geburtsstunde der letzten Kriegsjahre oder unmittelbaren Nachkriegszeit, sondern auch vom Aufschwung des sog. Wirtschaftswunders, von den Wünschen ihrer Bewohner*innen und den ideologischen Bildern dieser Zeit erzählen, werden in diesen Tagen abgerissen. Ihre erste Bewohner*innen-Generation altert und verlässt diese Häuser, womit das Wohnrecht vielerorts erlischt. Der steigende Wert des Bodens im urbanen Kontext steigert den Druck auf diese Gebäude zusätzlich.
Die Fotografen Enver Hirsch und Philipp Meuser haben Behelfsheime um Hamburg dokumentiert und Portraits dieser fragilen Gebilde aufgenommen, die ihrer faszinierender Merkwürdigkeit architektonische Würde zuschreiben und den Wert ihrer Geschichten vermitteln.
Das ANA-Team arbeitete an der historischen Einordnung dieser Gebäude mit. In seinem Essay „Vom Behelf zum Heim – über die Gestaltung einer stets unfertigen Zeit“ beschreibt Jan Engelke den historischen Kontext der NS-Ideologie, der die Gestalt dieser Gebäude geprägt hat; zieht Parallelen zur sozialistischen Idee des „Wachsenden Hauses“ und macht die Brisanz des Verschwindens dieser Bauten klar: Sie sind Teil einer heterogenen und pluralistischen Stadt, für die es heute zu kämpfen gilt!

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Unter Umständen
Interview mit Peter Opitz, Architekt des 1977 eröffneten Gothaer-Hauses in Offenbach am Main; Jan Engelke, Lukas Fink, Tobias Fink; Bensheim 2020

„Während der Planung des Gothaer-Hauses ist so einiges schiefgelaufen! Als wir bereits ziemlich weit waren forderte die Bauaufsicht den Einbau eines Feuerwehraufzugs. Infolge eines Hochhausbrandes in Frankfurt hatte nämlich der Branddirektor, Herr Ernst Achilles, ein Gesetz erlassen, nach dem alle neuen Hochhäuser mit einem Feuerwehraufzug ausgestattet werden mussten. Diese Auflage und der Zukauf eines Nachbargrundstückes hätte aus meiner Sicht eine Neuplanung erfordert. Die Bauherrschaft lehnte dies jedoch aus Kostengründen ab!
Stattdessen wurde entschieden, auf der erweiterten Grundstücksfläche einen zweiten Büroturm in die Planung aufzunehmen. Deshalb mussten mehr Parkplätze entstehen. Weitere Folgen waren Veränderungen an der Haustechnikplanung, neue Grenzabstände mit Berücksichtigung des Lichteinfalls zu der niedrigeren Wohnbebauung der Nachbarschaft und vieles mehr. Letztendlich ist das Ensemble der Baukörper ein gestalterischer Kompromiss! Vielleicht sollte man sagen, sie sind in die Planung gewachsen. Das Ergebnis müssen Andere beurteilen.”

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„Berliner Portraits“, Bella
Ausstellung und Booklaunch der Berliner Portraits; Ruben Bernegger, Lukas Fink, Tobias Fink; Galerie Bella; Zürich 2020

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Gebaute Heterogenität
Ruben Bernegger, Jan Engelke, Lukas Fink, Tobias Fink, Dorothee Hahn, Micha Ringger; Fotografien von Tobias Fink; Offenbach 2020

Das Gothaer-Haus in Offenbach am Main wurde 1977 als multifunktionales Gebäude eröffnet. Es kombiniert Gewerbe, Büros und Wohnen mit einer Garage und einem Schwimmbad im obersten Geschoss. Heute fällt dieses Gebäude vor allem wegen seiner expressiven Form auf – Ergebnis des heterogenen Programms, sich im Planungsprozess ändernder Bauvorschriften und verschiedener technischer Einflüsse.
Für ANA ist das Gothaer Haus eine faszinierende architektonische Synthese verschiedenster Einflüsse und als solche ein starkes Statement für eine herterogene Stadt. ANA nimmt das Gothaer-Haus in Offenbach als Ausgangspunkt, um die gestalterische Kraft der architektonischen Umstände zu erforschen und so die Rolle der Architekt*innen im gesellschaftlichen Diskurs, sowie den denkmalpflegerischen Umgang mit Architekturen der 1970er Jahre in Frage zu stellen.

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Berliner Portraits QR-Code-Aktion
Ruben Bernegger, Lukas Fink, Tobias Fink; Berlin 2018

Im Rahmen des Projektes «Berliner Portraits – Erzählungen zur Architektur der Stadt» wurden die, in den Interviews besprochenen Bauten über QR-Codes mit dem Stadtraum verlinkt. Die Hintergründe der Entstehung – Geschichten über Politik, Geld oder Persönliches – wurden so für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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Berliner Portraits – Erzählungen zur Architektur der Stadt
Ruben Bernegger, Lukas Fink, Tobias Fink; Verlag der Buchhandlung Walther König; Berlin 2018

Wieso sieht Berlin aus wie Berlin? Die Berliner Portraits – Erzählungen zur Architektur der Stadt entstanden aus einer Faszination für die Komplexität, Vielschichtigkeit und Heterogenität des Berliner Stadtbildes und seiner Geschichte, zugleich aber auch mit Blick auf die Gegenwart: Stadtentwicklung unterliegt heute meist der Maxime des größten Gewinns, ein Umstand, der zu einem zunehmenden Verlust architektonischer Vielfalt und zu immer größerer Uniformität führt.
Für diese Interviewreihe sind wir, selbst junge Architekten, im Gespräch mit Praktikerinnen und Praktikern des Berliner Baugeschehens der letzten siebzig Jahre, aus Ost und West, der Frage nachgegangen, wie deren Schaffen durch gesellschaftliches und politisches Zeitgeschehen geprägt wurde und inwieweit der gemeinsame Kontext Berlin Ausgangspunkt für die jeweiligen Positionen war. Die Gespräche führten wir im Laufe des Jahres 2018. Sie fanden im persönlichen Umfeld der Interviewten statt, wurden auf Video aufgezeichnet. Die Interviews wurden in Buchform beim Verlag der Buchhandlung Walther König veröffentlicht, sowie unter https://berlinerportraits.de. Die Webseite übernimmt im Gesamtprojekt die Rolle eines Online-Archivs: Das Material kann über Personen, Schwerpunktthemen sowie über einzelne auf einem Stadtplan verortete Gebäude erschlossen werden.

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Plakat Aktion "Bisschen Ihme-Zentrum Abreissen!"
Jan Engelke, Lukas Fink, Tobias Fink; Hannover 2018

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Bisschen Ihme-Zentrum Abreissen
Jan Engelke, Lukas Fink, Tobias Fink; Hannover 2018

„Bisschen Ihme-Zentrum Abreissen“ ist ein Projekt, nach dem niemand gefragt hat. Es ist ein proaktiver Beitrag zur Diskussion um die Zukunft des Ihme-Zentrums in Hannover und ein Argument gegen die Privatisierung und Kommerzialisierung städtischen Raumes.
Das Gebäude liegt wie eine fünfhundert Meter lange Insel in der Struktur der Stadt zwischen der Ihme und der Blumeauer Strasse. Errichtet auf dem Gelände einer alten Weberei, damals gegenüber der Gilde-Brauerei, bot der Sockel des Ihme-Zentrums Raum für Parken und Anlieferung für die Shopping-Mall darüber. Heute hat der Sockel seine Funktion verloren und zwanzig Jahren leer, die vormals industrielle Umgebung hat sich gewandelt, die Blumenauer Strasse spielt eine Nebenrolle. Wir schlagen vor, die Blumenauer Strasse in die leeren unterirdischen Parkgeschosse zu legen und den grössten Teil des Sockels abzureissen. So wird ein urbaner Platz auf Strassenniveau frei und das Ihmezentrum wird durch seine Fragmentierung Teil der Stadt – die über diese öffentliche Terrasse endlich Zugang zum Fluss erhält.
Im Gegensatz zu dem geplanten Shopping-Center, das der windige Investor zu reaktivieren plant, ist der neue Ihme-Platz ein umkommerzieller Raum, der allen Menschen zu jeder Tageszeit offensteht. Weite und schmale, offene und gedeckte Aussenräume bieten vielfältigen Nutzungen Platz. Der neue Ihme-Platz ist ein politischer Ort – und ein Appell an die Stadt Hannover und ihre BewohnerInnen, das Schicksal der Stadt nicht kampflos privaten Investoren zu überlassen!

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